Konrad Zuse gilt als einer der einflussreichsten Erfinder Deutschlands. 1941 entwickelte er die erste programmgesteuerte, binäre Rechenmaschine und somit den ersten Computer der Welt. Warum ein Wohnzimmer zum ersten Computerlabor wurde und was Konrad Zuse mit dem Bau von Kampfflugzeugen zu tun hatte, erfahrt Ihr in diesem Artikel.
Steckbrief
- Name: Konrad Zuse
- Geboren: 22.06.1910
- Gestorben: 08.10.1995
- Beruf: Ingenieur, Erfinder
- Verheiratet: ab 1945 mit Gisela Brandes
- Kinder: Horst Zuse, Klaus Peter Zuse, Hannelore Zuse-Stöcker, Monika Zuse-Gruden, Friedrich Zuse
Wer ist der wahre Urvater des Computers?
Moderne Rechner arbeiten im Wesentlichen nach dem Konstruktionsprinzipien des ersten Computers von Konrad Zuse. Deshalb bezeichnen ihn viele als den “Urvater des Computers”.
Ob Zuse der einzige “Computer-Urvater” ist, wird allerdings kontrovers diskutiert. Andere Erfinder, wie Alan M. Turing, John von Neumann oder Howard H. Aiken, haben ebenfalls entscheidende technische Grundlagen geschaffen, ohne die die Erfolgsgeschichte des Computers nicht möglich gewesen wäre.
Die Vision einer hoch technisierten Zukunft
Konrad Zuse wurde in Deutsch-Wilmersdorf (heute Berlin) geboren. Nach seinem Abitur in Hoyerswerda studierte er Maschinenbau, Architektur und anschließend Bauingenieurwesen in Berlin. In dieser Zeit zeichnete er auch Bilder, entwarf Plakate und malte Karikaturen.
Die modernen Bergbauanlagen in der Umgebung beeindruckten den jungen Zuse. Die Region um Hoyerswerda war ein hoch technisiertes Gebiet. In der Nähe der Stadt befand sich eine Braunkohlengrube. Die großen Abraumförderbrücken inspirierten Zuse zu ersten Visionen einer technologisch geprägten Zukunft.
Zu faul zum Rechnen
Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Konrad Zuse als Konstrukteur bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin. Dort plante und berechnete er die Flugeigenschaften der Flugzeuge. Zu diesen zählten vor allem Militärflieger, die im 2. Weltkrieg eingesetzt wurden.
Diese Berechnungen waren äußerst mühsam. Deshalb stellte Zuse sich die Frage, ob diese Arbeit auch eine Maschine übernehmen könnte. “Ich war zu faul zum Rechnen” soll er später in einem Interview selbstironisch angemerkt haben.

Der Weg zum ersten Computer
Alsbald gab Zuse seine Stelle bei Henschel auf und richtete sich stattdessen in der Wohnung seiner Eltern eine Werkstatt ein. Das Wohnzimmer wurden zum ersten Computerlabor umgewandelt. Es war beengt und chaotisch, aber immerhin verlangten Zuses Eltern keine Miete.
Hier baute Zuse bis 1938 die erste programmierbare Rechenmaschine, die sogenannte “Z1”. Diese arbeitet auf einer rein mechanischen Grundlage. Leider war die Z1 sehr störanfällig. Oft verhakten sich einzelne Komponenten.
Zuse stellte die mechanische Schaltung deshalb auf eine elektromechanische Relaistechnik um. 1940 entwickelte er mit der “Z2” einen entsprechenden Prototyp. Diesen präsentierte er Günter Bock, dem Leiter der technischen Abteilung der Deutschen Luftfahrtbehörde. Bock war beeindruckt und beteiligte sich an der Finanzierung des Folgemodells “Z3”.
Die Z3 – Der erste Computer der Welt
Die im Jahr 1941 fertiggestellte Z3, war die erste funktionstüchtige, vollautomatische und frei programmierbare Rechenmaschine mit Relaistechnik. Die Maschine gilt als der erste Computer der Welt.
Die Z3 bestand aus 2000 Telefonrelais und wog rund eine Tonne. Kaum zu glauben, dass Zuse auch diese Rechenmaschine im Wohnzimmer seiner Eltern baute.
Leider wurde die Z3 im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Deutschen Museum in München gibt es jedoch einen funktionstüchtigen Nachbau.
Zuse setzte von Anfang an auf das Binärsystem. Seine Rechenapparate zählten nicht mit zehn Fingern wie ein Mensch, sondern nur mit “ja” und “nein”, “0” und “1”.
Die ersten Computer waren riesengroß
Der Amerikaner Howard H. Aiken entwickelte drei Jahre später ebenfalls einen Computer, der auf einem binären, elektromechanischen Prinzip basierte.
Allerdings hatten diese frühen Computer mit den heutigen PCs nur wenig gemeinsam. Damals gab es noch keine Mikrochips. So war man auf unzählige Relais und Elektronenröhren angewiesen.
Der 1946 in den USA gebaute “ENIAC“-Computer bestand beispielsweise aus mehr als 18.000 elektronischen Röhren, über 1.500 Relais, wog über 30 Tonnen und nahm eine Fläche von 140 Quadratmetern ein.
Patentstreitigkeiten bezüglich der Erfindung des Computers
Bereits vor dem Krieg hatte Zuse eine Vielzahl an Patenten angemeldet. Am bedeutendsten war natürlich die Patentanmeldung für die Z3. Die Prüfer erhoben zunächst keine Einwände. 1952 wurde das Patent veröffentlicht.
Dagegen legte die Firma Triumph und später IBM Einspruch ein. 1967 entschied das Bundespatentgericht letztinstanzlich, dass das Z3-Patent aufgrund “mangelnder Erfindungshöhe” nicht erteilt werden könne. Zuse meldete insgesamt 58 Patente an, von denen jedoch nur acht anerkannt wurden.
Was hat Konrad Zuse sonst noch erfunden?
Das Leben von Konrad Zuse zeigt, dass er ein großer, kreativer Geist war und uns eine Menge weiterer Erfindungen geschenkt hat.
So entwickelte er beispielsweise mit dem Spezialmodell S1 den ersten Prozessrechner der Welt. 1945/46 schuf Zuse mit “PlanKalkül” die erste algorithmische Programmiersprache.
Zuse war auch Unternehmer, Hochschulprofessor und Künstler
Im Jahr 1941 gründete er außerdem die wahrscheinlich weltweit erste Computerfirma, die “Zuse-Ingenieurbüro und Apparatebau”, welche 1946 in “Zuse KG” umbenannt wurde.
1964 wurde die Zuse KG von Brown, Boveri & Cie. aufgekauft. Drei Jahre später übernahm Siemens 70 Prozent der Anteile an der Zuse KG. Zu diesem Zeitpunkt verließ Konrad Zuse das Unternehmen.
Nach dem Ausscheiden aus seiner Firma widmete er sich seinem künstlerischen Hobby. Zuse war ein begeisterter Maler, der viele Kreidezeichnungen und großformatige Ölgemälden schuf. Fast 100 Skizzen, 167 Kreidezeichnungen und 518 Ölgemälde sind von ihm bekannt.
Die überwiegende Mehrheit von Konrad Zuses Gemälden ist Ausdruck seiner lebhaften Phantasie. Man könnte sie als expressionistisch bezeichnen, auch wenn sich Zuse mit keiner Kunstrichtung identifizierte und sein Werk von der Kunstgeschichte nie berücksichtigt oder klassifiziert wurde.
Zu seinem bevorzugten Motiven zählten Landschaften und phantasievolle Hochhausarchitekturen. Aber auch Kirchen und Kirchenfenster finden sich unter seinen Kunstwerken.
1966 nahm Zuse eine Honorarprofessur an der Universität Göttingen an. Für seine Pionierarbeit in der Computertechnik wurde er mehrfach von nationalen und internationalen Gremien geehrt. 1995 starb er in Hünefeld bei Fulda im Alter von 85 Jahren.
Häufige Fragen und Antworten zum Thema (FAQ)
Das Wort “Computer” leitet sich vom lateinischen “computare” ab, was zählen, zusammenzählen oder zusammenrechnen bedeutet.
Der Begriff tauchte in der englischen Sprache erstmals im 17. Jahrhundert auf, wobei eine der frühesten bekannten Verwendungen im Buch “The Yong Mans Gleanings” des englischen Schriftstellers Richard Brathwait aus dem Jahr 1613 zu finden ist.
Damals bezog sich der Begriff “Computer” auf einen Menschen, der Berechnungen oder Kalkulationen durchführte. Diese Bedeutung hielt sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts.
Erst als in den 1940er Jahre die ersten elektronischen Rechenmaschinen entstanden, etablierte sich die moderne Bedeutung von “Computer” als elektronisches, programmierbares Gerät zur Durchführung von Berechnungen und Operationen.
Der erste Computer der Welt – die Z3 von Konrad Zuse – wurde 1943 bei einem Bombenangriff auf Berlin zerstört.
In den 1960er Jahren fertigte die Zuse KG einen funktionstüchtigen Nachbau der Z3 , welcher heute im Deutschen Museum in München zu sehen ist.
Ein weiterer Nachbau der Z3 aus dem Jahr 2010 steht im Konrad-Zuse-Museum in hessischen Hünfeld.
Die Z3 konnte für allerlei Rechenaufgaben, insbesondere für statistische Analysen, verwendet werden. Sie speicherte ihre Programme auf externen Bändern, so dass die Programme ohne Neuverkabelung geändert werden konnten.
Woran Konrad Zuse gestorben ist, wurde nie bekannt gegeben. Die Todesursache ist somit unbekannt.
Horst Zuse ist ein deutscher Informatiker und der Sohn des Computerpioniers Konrad Zuse. Er arbeitete als Privatdozent an der Technischen Universität Berlin und war Professor an der Fachhochschule Lausitz.
Horst Zuse war im Jahr 2010 maßgeblich an einem Nachbau der “Z3” beteiligt, welcher im Hünfelder Konrad-Zuse-Museum besichtigt werden kann.
Liebe Leser*innen, nun seid Ihr gefragt! Sind Euch weitere interessante Fakten zu Konrad Zuse und zur Erfindung des Computers bekannt? Wir freuen uns, wenn Ihr Eure Gedanken unten in die Kommentare schreibt. Vielleicht ergibt sich eine spannende Diskussion.
Falls Euch dieser Artikel gefällt, sind wir Euch dankbar, wenn Ihr ihn weiterempfehlt und auf Twitter, Facebook etc. teilt! 👍
Quellen und weiterführende Links:
- Böttiger, Helmut/Adolf Rabenseifner: Konrad Zuse: Erfinder, Unternehmer, Philosoph und Künstler, 2011
- Rojas, Raul: Die Rechenmaschinen von Konrad Zuse, Springer, 2011
- Zuse, Konrad: Der Computer – mein Lebenswerk, Springer, 2010
- https://www.br.de/wissen/geschichte/historische-persoenlichkeiten/konrad-zuse-computer-rechner-erfinder-102.html
- https://www.swr.de/wissen/zuse-computer-pionier-vor-80-jahren-100.html
- https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/geschichte/persoenlichkeiten/konrad-zuse/
Beitragsbild: Konrad Zuse – Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, CC BY
Vielseitig interessierter und leidenschaftlicher Autor zu Themen, wie Geschichte, Philosophie, Technik, Wirtschaft, Literatur uvm.